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Mittwoch, 05. Oktober 2011

Die Analyse zum Spiel mit Mario Posch!

k.A.

Drei Tage nach der Heimniederlage gegen den SV Mattersburg sprach die Homepageredaktion mit dem Individualtrainer Mario Posch.

Mario, du bist seit fast fünf Monaten im Trainerteam der Profis engagiert. Wie geht es dir mit deinen neuen Aufgaben bei den Blau-Weissen?

Mario Posch: Es ist für mich eine sehr interessante Aufgabe mit diesem Trainerteam rund um Peter Stöger zu arbeiten und eine große Herausforderung mit dieser Mannschaft etwas zu bewegen und zu entwickeln. Es macht riesigen Spaß und ist eine Ehre, ein Teil dieses Projektes zu sein.

Am Samstag musste der SC eine 1:2 Heimniederlage gegen den SVM hinnehmen. Bei einem Sieg hätte man sich mit 8 Punkten von den Mattersburgern absetzen können. Nach der Niederlage ist der Vorsprung auf zwei Punkte geschrumpft. Wie ist aus deiner Sicht die Leistung vom Samstag zu bewerten?

Mario Posch: Man muss vielleicht dazu sagen, wie es auch schon von Peter Stöger das eine oder andere Mal angesprochen wurde, dass unsere Mannschaft noch einer Wundertüte ähnelt. Dass dieses Team Schwankungen hat, ist normal. Wir haben vorige Woche eine sehr gute Leistung gegen Ried erbracht und haben unter der Woche sehr gute Trainingseinheiten absolviert. Die Leistung in der ersten Halbzeit am Samstag war klarerweise nicht das, was wir uns vorgenommen hatten. In den zweiten 45 Minuten konnten wir wieder an die starke Leistung der Vorwoche anschließen. Dass das Resultat nicht zufriedenstellend ist, ist klar. Zufriedenstellend ist jedoch die Entwicklung der Truppe über die letzten Monate gesehen. Es ist im Vergleich zur Spielweise, die wir am Anfang der Meisterschaft hatten, eine Weiterentwicklung festzustellen. Wir erarbeiten uns Torchancen, haben teilweise einen gepflegten Spielaufbau und kommen zu Abschlüssen, allerdings dürfen wir nicht auf die Grundattribute vergessen. Mit Leidenschaft, Herz, Begeisterung, aber auch Spaß, Spiele zu bestreiten. Ich denke auch, dass wir in unserer Entwicklung noch viel Potential nach oben haben, daran müssen wir arbeiten, um vor allem unsere Schwankungen zu reduzieren.

Wie schon angesprochen waren die beiden Hälften sehr unterschiedlich. Eine deiner Aufgaben ist es, die ersten 45 Minuten mit Videokamera vom Fernsehturm aus zu analysieren. In der Pause informierst du dann den Cheftrainer über deine Analyse. Wo liegen die Gründe für diese Methode bzw. welche Dinge sind dir in der ersten Hälfte gegen Mattersburg aufgefallen?

Mario Posch: Grundsätzlich ist das eine gute Möglichkeit, die sich im Laufe der letzten Monate so entwickelt hat. Einerseits bestätige ich durch diese Arbeit die Sichtweise des Trainers, auf der anderen Seite habe ich dadurch auch die Möglichkeit das Spiel aus einer anderen Perspektive zu beobachten und eventuelle Möglichkeiten oder Verbesserungsvorschläge an den Trainer für die Halbzeitansprache weiterzugeben. Man kann sich am TV Turm in Ruhe auf das Spiel konzentrieren, auch wenn die innerliche Anspannung natürlich vorhanden ist. Wir werden diese Vorgehensweise sicherlich beibehalten. In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch bei Michael Neumann bedanken, der mir bei den diversen Auswärtsspielen im Vorfeld mit den Heimklubs alles abklärt, um mich dann während des Spieles an den unterschiedlichsten Stellen mit der Kamera zu postieren. In Bezug auf das Spiel am Samstag haben wir in den ersten 45 Minuten zu ängstlich agiert. Angst hemmt die Kreativität und es wird schwer ohne Kreativität, sowie nur daran zu denken, dass man keine Fehler macht und Spiele zu gewinnen. Die Mannschaft muss in die eigenen Stärken Vertrauen haben. Das gelingt im Training sehr gut, auch phasenweise bei dem einen oder anderen Spiel, wie zum Beispiel gegen Ried oder dann auch zweite Halbzeit gegen Mattersburg. Diese Leistungen zeigen, dass Potential in der Mannschaft steckt. Wir werden weiter daran arbeiten, dass sie dieses Selbstvertrauen stärken, sowie in die nächsten Spiele mitnehmen, um die nötigen Erfolge einzufahren. Das ist ein Prozess, den wir in den nächsten Wochen weiter verfolgen werden.

Am Samstag wurde der SC bei der einen oder anderen Schiedsrichterentscheidung nicht unbedingt bevorteilt. In wie weit haben diese Entscheidungen einen Einfluss auf das Ergebnis gehabt?

Mario Posch: Es liegt nicht in meinem Aufgabenbereich die Leistung der Schiedsrichter zu beurteilen. Ich konzentriere mich hier vordergründig auf die Leistung unserer Mannschaft. Natürlich sind wir nicht begünstigt worden, aber wenn wir in der ersten Halbzeit eine ähnliche Leistung wie in den zweiten 45 Minuten abgeliefert hätten, glaube ich, dass wir dieses Spiel gewonnen hätten. Allerdings muss man sehr wohl die Dinge beim Namen nennen, dies wird Peter Stöger mit Sicherheit in seiner sensiblen Art und Weise auch tun. Ich denke, dass er seine Arbeit menschlich und auch sportlich hervorragend umsetzt und wir ihn als Trainerteam mit Manfred Schmid, Günter Kreissl und meiner Wenigkeit bestmöglich unterstützen. Wir haben in den zweiten 45 Minuten engagiert gespielt und den Willen gezeigt, die notwendigen Tore zu erzielen, sowie das Spiel zu gewinnen. Dabei hat uns leider bei drei Lattenschüssen und in der einen oder anderen Situation das Quäntchen Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor gefehlt.

Wie nutzt der SC Wr. Neustadt die Länderspielpause, um sich auf die bevorstehenden schwierigen Spiele vorzubereiten?


Mario Posch: Naja, in dieser Woche werden wir sehr intensiv trainieren. Wir hatten am Montag eine Regenerationseinheit, seit heute haben wir bis Donnerstag jeweils zwei Einheiten pro Tag. Donnerstagnachmittag (15.00 Uhr im Stadion Wr. Neustadt) gibt es dann ein Spiel gegen den TSV Hartberg. Freitag spielt unsere Amateurmannschaft (19.30 Uhr in Brunn am Gebirge), in der einige Spieler eingesetzt werden und am Sonntag gibt es dann ein weiteres Testspiel gegen Pitten (15.00 Uhr in Pitten). Diesbezüglich werden alle Spieler ihre Einsatzzeiten bei diesen drei Spielen erhalten. Zusätzlich zu den Trainingseinheiten wird es einige Gespräche zum Spiel, beziehungsweise auch zu dem einen oder anderen Thema geben. Ab Montag werden wir uns dann wie üblich im gewohnten Rhythmus auf das Spiel am Samstag gegen Rapid Wien vorbereiten.

Was traust du der Mannschaft in den nächsten Wochen zu?

Mario Posch: Es ist sehr schwierig zu sagen. Ich erhoffe mir aber doch, dass wir mehr Stabilität kriegen und uns die Fans weiterhin so tatkräftig unterstützen. Klar werden wir unsere Phasen haben, in denen es noch nicht 100% perfekt läuft, aber diese Phasen sollten keine 45 Minuten andauern. Unsere guten Phasen, wie in der zweiten Hälfte gegen Mattersburg und auch im Spiel gegen Ried, müssen wir ausbauen. Wir sind körperlich topfit, haben in den letzten beiden Spielen gezeigt, dass wir mit Fortdauer des Spieles zulegen können. Die Spieler müssen an ihre eigenen Fähigkeiten glauben. Das gesamte Trainerteam glaubt an die Qualität des Teams und die Mannschaft wird in der noch herrschenden Gruppenfindungsphase weiter zusammenwachsen. Wir haben hier gute junge Spieler, die eine gewisse Zeit brauchen, um sich zu entwickeln. Sie müssen aber auf jeden Fall selbst etwas dazu beitragen. Nur darauf zu warten, dass etwas passiert, wird zu wenig sein. Das Trainerteam und auch der Verein versuchen hier positiv einzuwirken, um jeden einzelnen in seiner Entwicklung zu unterstützen. Aber wie gesagt, es liegt an der Eigenverantwortung jedes Spielers. Das würde ich mir wünschen, da wir glauben, dass dieses Team ihren Zenit bei weitem noch nicht erreicht hat. Darin liegt auch die Herausforderung mit dieser Mannschaft die nötigen Punkte einzufahren. Wir werden weiter daran arbeiten, eine Kombination zwischen gepflegtem, leidenschaftlichem und erfolgreichem Fußball zu kreieren.

Heute Mittag wurde Marcel Koller als neuer Teamchef präsentiert. Diese Entscheidung ist für die Öffentlichkeit ein wenig überraschend. Was sagst du zu dieser Entscheidung?

Mario Posch: Die Verantwortlichen werden sich dabei etwas gedacht haben und diesbezüglich möchte ich die Entscheidung nicht hinterfragen. Man kann als Außenstehender viele Faktoren nicht einschätzen, die dann zu einer Entscheidung herangezogen werden, somit kann und möchte ich dazu kein Urteil abgeben. Der Teamchef sollte aber nach seiner Bestellung von allen unterstützt werden, da es ja schlussendlich um den Fußball in Österreich geht. Ich möchte aber schon zu denken geben, dass von den Verantwortlichen die Trainerausbildung des ÖFB als eine der besten dargestellt wird, dann aber schlussendlich das Vertrauen in die Abgänger offensichtlich nicht groß genug ist. Es ist für mich persönlich schade, dass Trainer wie Peter Stöger, Peter Schöttel, Andreas Herzog oder auch andere junge Trainer aus dieser Generation, die diese Ausbildung absolvieren, dann nicht die Chance erhalten, diese Verantwortung für das Nationalteam zu übernehmen. Letztendlich ist die Entscheidung von den handelnden Personen zu akzeptieren und ich gehe davon aus, dass diese Personen die Entscheidung zu Gunsten des Sports getroffen haben. Reibungspunkte wird es bei allen Entscheidungen geben. Diese sind aus meiner Sicht auch wichtig, da daraus eine gewisse Weiterentwicklung entsteht. Wesentlich ist für mich aber, dass hier die persönlichen Eitelkeiten hinten angestellt werden und die Entscheidungen im Sinne des Fußballsports getroffen werden.

Vielen Dank für das Gespräch!